Living Life


Donnerstag, 7. Januar 2010
at 17:30 1 comments

Rückfallwunsch. Wie gehe ich damit um? Ich kann meinen Wunsch nach einem Rückfall nicht leugnen. Er beschäftigt mich täglich. Stündlich. Ein Bild, ein Satz, eine Zahl kann ihn auslösen. Und ich frage mich, ob ich je ohne diesen Wunsch leben werde.
Gestern habe ich eine Doku über psychisch kranke Jugendliche gesehen. Es ging darin nicht primär um Eßstörungen, hauptsächlich um selbstverletzendes Verhalten, aber eigentlich ist eine Eßstörung ja auch eine bewußt zugefügte Selbstzerstörung. Ich konnte mich so sehr mit diesen Jugendlichen identifizieren, obwohl unsere Symptome und deren Ursachen verschieden sind. Das Problem bei jeder Art von selbstschädigendem Verhalten ist meiner Meinung nach, dass es eine Sucht ist und aus der kann man nur ausbrechen, wenn man wirklich gesund werden will und täglich dagegen ankämpft. Und das ist hart und ermüdend. Denn selbst wenn man es will, gibt es doch so oft wieder Rückschläge und unsere Art mit Problemen umzugehen, sind nunmal oft unsere destruktiven Verhaltensmuster. Ein Teufelskreis. Ich habe diese Jugendlichen dort gesehen und gewußt, dass viele wieder rückfällig werden. Es war so vertraut.

Für Außenstehende ist das nur schwer nachzuvollziehen. Sie erwarten, dass nach einem Klinikaufenthalt schon alles ok ist. Immerhin war man ja lange genug dort. Ist es nicht. Ich habe ca 10 Monate meines Lebens unter der "Glasglocke" verbracht und es ist noch lange nicht alles ok. Sie kann einen stabilisieren, aber die wirkliche Arbeit beginnt zu Hause. Wahrscheinlich für den Rest meines Lebens. Und diesen Weg kann nur ich alleine gehen. Unterstützung ist natürlich immer gerne willkommen, aber es liegt an mir, die richtigen Dinge zu tun. Und so sehr ich auch gesund werden will, so kann ich doch sagen, es ist noch nicht vorbei. Ich weiß es. Ich kann nicht sagen, wie lange noch ich diese Krankheit mit mir rumschleppen werde oder wie schwer sie ist oder sein wird, aber ich habe noch nicht den Mut den Weg der radikalen Akzeptanz zu gehen. Noch nicht.

Falls jemand einen kleinen Einblick in den (Klinik-)Alltag eines Eßgestörten haben will, der kann sich die Dokumentation "Thin" anschauen. Amerikanisch, aber wahrscheinlich doch überall auf der Welt ziemlich ähnlich. Vielleicht hilf es ein klein wenig zu verstehen, welchen Kampf wir täglich durchmachen.




The Girl

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